Der Stimmstock im Klavier oder Flügel...

 ist der am höchsten belastete Holzbauteil im Klavier oder Flügel. Er sitzt heutzutage ganz oben im Instrument hinter der Gußplatte (s. auch Rahmen u. Raste). Seine Aufgabe ist es, den festen Sitz der Stimmwirbel zu gewährleisten und diese daran zu hindern, sich selbständig rückwärts zu drehen, auch wenn die daran hängende Saite im Fortissimo erzittert.

 

Traditionell wird für Stimmstöcke Rotbuchenholz verwendet, da es ein sehr festes Holz ist. Von einigen Herstellern (z. B. Steinway & Sons und neuerdings auch Hyundai) wird Felsenahorn genommen. Eine hohe Spaltfestigkeit des Holzes ist von entscheidender Bedeutung, da die Stimmwirbel dicht nebeneinander sitzen und, um festen Sitz zu gewährleisten, die Stimmwirbelbohrungen unter Maß ausgeführt werden müssen. Es leuchtet ein, dass durch das Einschlagen vieler Stimmnägel auf geringer Fläche enorme Spaltkräfte erzeugt werden. Daher mußten die Massivholzstimmstöcke der alten Klaviere (bis vor ca. 50 Jahren) so eingebaut werden, dass die Stimmwirbel möglichst rechtwinklig zu den Markstrahlen des Holzes standen. Zusätzlich erhielten diese Stimmstöcke eine aufgeleimte Verdopplung quer zur Maserung, da die ebenfalls auftretenden hohen Druckkräfte (aufgrund der Zugkraft der Saiten) vom Holz in seiner Längsrichtung besser aufgenommen werden können. Dies gilt insbesondere für Instrumente ohne Vollpanzerrahmen. Bild 1 zeigt ein Klavier mit Massivholzstimmstock und Aufdopplung hinter dem schwarz lackierten Rahmen. Die dritte hohe Belastung für den Stimmstock bedeutet die Übertragung des Biegemomentes, das die Saitenzugkräfte an den vorstehenden Wirbeln verursachen, auf Rahmen und Raste. Bildlich kann man sich diesen Zustand etwa so vorstellen, dass die Saiten versuchen, den Stimmstock nach vorn zum Betrachter hin zu drehen.

Da Massivholz bei Klimaschwankungen stark arbeitet, bei Austrocknung schrumpft (lose sitzende Wirbel) und die Rißgefahr hoch ist (Bild 2), kann man den alten Meistern von damals keinen Vorwurf machen, wenn sich auf unseren heutigen Fußbodenheizungen die Instrumente aus der Kaiserzeit nicht mehr stimmen lassen. Sie konnten beim besten Willen nicht ahnen, dass wir heute die alten Klaviere wie Dörrobst behandeln würden.

 

 

Der nächste Entwicklungsschritt war die Ausführung des Stimmstockes in mehreren relativ dicken Holzschichten (Zeichnung rechts). Doch auch hierbei hat die Trockenheit des Holzes bei der Verarbeitung oberste Priorität, sonst kann es immer noch zu Rißbildung innerhalb einzelner Schichten bei Austrocknung kommen, da sich Holz quer zur Faser stärker zusammenzieht als in seiner Längsrichtung. Diese Technik findet man auch noch in modernen Klavieren (Bild 3).

 

Mit fortschreitender Entwicklung der Heizungsanlagen in den Wohnhäusern weg von der Ofenheizung hin zur Zentralheizung sind zuerst die europäischen Klavierhersteller dazu übergegangen, Stimmstöcke in vielschichtig verleimter Sperrholzausführung zu verwenden (Bild 4). Diese Hölzer arbeiten und reißen nicht, da sie vielfach abgesperrt und daher ideal für Fußbodenheizungen sind. Weltberühmt wurde das Delignit-Stimmstockholz der Blomberger Holzindustrie (vergl. diesen Link), welches von nahezu allen deutschen Klavierfabrikanten und den meisten koreanischen Herstellern in die Instrumente eingebaut wird. Dieses Buchenholz wird vor der Verarbeitung in Trockenkammern getrocknet und mit speziellen korrosionshemmenden Phenolharzleimen zu Stimmstockplatten verpreßt.

 

 

 

 

 

Im deutschen Klavierbau ist diese Technik seit mehreren Jahrzehnten Stand der Technik und hat sich bewährt (Bild 5). Wichtig ist nur nach wie vor, dass der Rahmen fest mit dem Stimmstock durch ausreichend dimensionierte Schrauben verbunden ist und der Stimmstock seinerseits fest mit der Raste verleimt ist.

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